Okay, eigentlich hatte ich bisher immer gedacht, dass mich hier kaum noch etwas verblüffen kann:

die komplette Familie (mindestens drei Personen, meistens aber mehr) zusammen auf einem Roller ist schon zum x-ten Mal an einem vorbei gefahren und der Typ mit dem ausgewachsenen, toten aber immer noch ganzen Schwein auf selbigem, verleitet mich höchstens zu einem Stirnrunzeln.

Aber ich muss zugeben, ich war schon etwas verwundert als ich Dienstagabend in Hanoi angekommen bin.

Bei meinen vorigen Stationen in Dong Hoi, Hue und Hoi An hat sich mir ein anderes Bild von Vietnam gezeigt. Dort habe ich keinen einzigen Supermarkt gesehen (und Dong Hoi ist immerhin eine Millionenstadt!), Garküchen und Restaurants gab es eher vereinzelt und mit Kreditkarten konnte man nirgendwo zahlen.

Ich finde so was ja herrlich, jedenfalls nachdem man sich als verwöhnter Europäer aus seiner Komfortzone entfernt hat.

In Hanoi zeigte sich mir nun ein vollkommen anderes Bild: Hochhäuser, Garküchen wohin man auch sah, Restaurants, Kneipen, Supermärkte… damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Obwohl es einem fast klar sein sollte, wenn man bedenkt, dass Hanoi 6,5 Millionen Einwohner hat (zum Vergleich hat Köln gerade mal knapp über 1 Million).

Komfort hin oder her, der Rollerverkehr dämpfte meine Freude über ein bisschen Großstadtluft wieder etwas. Im Verkehr herrschte zwar auch in den vorigen Städten Anarchie, aber in Hanoi kam einfach der Punkt der Massen hinzu.

Ich habe zwei Regeln gelernt und verinnerlicht:

1. Wenn man die Straße überquert, bloß nicht stehen bleiben!
2. Wenn man die Straße überquert und einem ein Auto entgegen kommt: renn! Und ich meine wirklich rennen.

Das scheint überspitzt formuliert, ist aber eine Überlebensstrategie. Die Rollerfahren hier haben gelernt, Fußgänger zu umfahren und können dies gut einschätzen. Ein Autofahrer jedoch würde nie im Leben ausweichen und eher noch Gas geben.

Von Hanoi aus folgte ich Annikas Tipp und fuhr mit dem Zug nach Ninh Binh, 93 km südlich von Hanoi.

Ich habe übrigens bis bei einem Mal immer Züge zur Fortbewegung benutzt. Die Verbindungen in Vietnam sind gut und dabei günstig. Für mein Ticket von Hanoi nach Ninh Binh (ca. 2 Std.) habe ich zum Beispiel umgerechnet 3,20€ gezahlt.

Die Zuglinie verläuft komplett von Norden nach Süden.
Meine Tickets dafür habe ich entweder am Schalter gekauft oder, wenn es schnell gehen musste, über die Seite http://baolau.com, wo allerdings noch Kosten für die Kreditkarte dazu kamen.

In Ninh Binh angekommen, hätte ich vor Ort wieder Touren buchen können.
So schön der Tag im Phong Nha Nationalpark am Dienstag auch gewesen war, aber ich hatte ehrlich gesagt überhaupt gar keine Lust mehr auf geführte Touren.

Das erste Mal seit Bali vor 7 Jahren habe ich mich deshalb wieder auf einen Roller getraut! Ein großer Schritt ist gemacht und eröffnet ab jetzt ganz neue Möglichkeiten!

Die letzten Male hatte ich immer Alex ans Steuer gelassen. Roller in SOA haben alle über 50ccm und dürfen mit meinem normalen B-Führerschein nicht gefahren werden. Eigentlich achtet hier niemand darauf, allerdings ist irgendwann ein paar Polizisten aufgefallen, dass sich mit solch einer Kontrolle bei Ausländern gut ein bisschen was nebenbei verdienen lässt.

Deswegen war es einfach zu sagen: derjenige mit Motoradführerschein fährt auch den Roller.

Den Roller habe ich mir zwei Tage lang geliehen und auf ihm die Gegend erkundet.

Ninh Binh steht auf den klassischen Tourirouten nicht unbedingt an erster Stelle, aber für mich war es definitiv mein persönliches Vietnam-Highlight.
Die Landschaft ist einfach wunderschön und ich für mich habe das Freiheitsgefühl vom Rollerfahren auf Bali wiederentdeckt.
Während meiner Fahrt musste ich immer wieder anhalten, Fotos von der Umgebung machen oder habe spontan kleinere Tempel besucht.

Die Besitzerin meines Homestays hatte mir dann noch die Mua Caves, eine Aussichtsplattform, empfohlen. Als ich dann eine Dreiviertel Stunde, bevor ich den Roller abgeben und meinen Zug nach Hanoi erwischen musste, das Ticket gelöst hatte, fragte ich vorsichtshalber nach, wie lange man nach oben denn bräuchte.

Antwort: eine halbe Stunde hoch, eine halbe Stunde runter. 500 Stufen.

Dreiviertel Stunde Zeit, Viertelstunde zurück zum Homestay, halbe Stunde rauf, halbe Stunde runter. Okay… die Rechnung ging nicht auf.

Die 4€ Eintritt waren schon bezahlt, also blieb mir dann nichts anderes übrig als die Strecke in der Hälfte der Zeit zurück zu legen. Oben hatte ich dann leider nur wenige Minuten um die grandiose Aussicht zu genießen sowie wieder mit meinem Kreislauf einigermaßen klar zu kommen. Ein Glück das ich unten vorsichtshalber noch mal einen Liter Wasser gekauft hatte.

Wer in der Gegend ist, sollte sich definitiv an den Aufstieg wagen. Mein Insidertipp: plant nicht unbedingt eine halbe Stunde für alles ein…

Nach meiner kleinen sportlichen Betätigung machte ich mich dann wieder Richtung Hanoi und heute dann nach Phuket auf, um mich hier wieder mit Alex zu treffen. Wir brauchen dringend mal wieder Fische und Wasser um uns herum!

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