Vor circa zehn Jahren ist mir durch Zufall das Buch „Die Kinder der Killing Fields“ von Erich Follath in die Hände gefallen. Damals hat es mich unglaublich bestürzt und nachdenklich zurückgelassen.

Für jene, die mit dieser dunklen Epoche der kambodschanischen Geschichte nicht so bewandert sind, sei kurz zusammen gefasst, dass es sich hierbei um einen Genozid in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gehandelt hat. Viele der älteren Erwachsenen in Kambodscha haben es also noch miterlebt. Es wird in dieser Generation kaum jemanden geben, der nicht einen Freund oder Verwandten verloren hat. Bis zu einem Drittel der Bevölkerung wurden hierbei ausgelöscht.

Pol Pot führte damals die sogenannten Roten Khmer an, eine kommunistische Bewegung, die anfangs hauptsächlich aus Kindersoldaten bestand und einen „Bauernstaat“ errichten wollte. Alles städtische sollte vernichtet werden um so die scheinbaren Klassenunterschiede auszuradieren. Den Anfang nahm die fast vollständige Vertreibung der Bevölkerung Phnom Penhs und Deportation in Arbeiterlager. Menschen mussten ab dem Zeitpunkt wortwörtlich wie Vieh auf dem Land schuften.

Alle Kennzeichen, die jemanden als Intellektuellen darstellen könnte, konnten einen ins Gefängnis bringen. Dies war zum Beispiel das Sprechen einer Fremdsprache oder sogar das Tragen einer Brille. Auch Mönche und Nonnen waren verdächtig. Eine Inhaftierung bedeutete zwangsweise den eigenen Tod. Man wurde gefoltert bis man sein angeblichen Verbrechen gestanden hatte, danach auf die Killing Fields gebracht und ermordet.

In Phnom Penh habe ich das ehemalige Gefängnis Tuol Sleng, welches heute ein Museum ist, sowie einen der Killing Fields, 15 Kilometer südöstlich der Stadt, besucht.

Wer von euch schon mal dort gewesen ist, kann nachvollziehen, wie sehr es einen mitnimmt und wie bewegt man von dort wieder weggeht.

Die folgenden Fotos habe ich übrigens unbearbeitet gelassen.

 

Tuol Sleng, welches vorher eine Schule gewesen ist, besteht aus vier Hauptgebäuden. In Block A, welches auf dem Foto zu sehen ist, befanden sich die Räume, in denen gefoltert wurde. 

Die sieben weißen Grabsteine davor wurden als Andenken an sieben nicht identifizierten Menschen errichtet, die noch „schnell“ während der Befreiung durch die Vietnamesen von den verbleibenden Wärtern getötet und dann später in den einzelnen Räumen von Block A gefunden wurden.

 

Einer der Folterräume in Block A.

In einigen der übrigen Zimmern befinden sich immer noch die Bettgestelle, auf welchen die sieben Menschen ermordet aufgefunden wurden. 

An den Wänden hängen Fotos davon. Aus Respekt sind die Gesichter unkenntlich gemacht. 

Die Blutspritzer von den Folterungen an den Decken hat man nicht entfernt.

 

Die Gefangenen wurden dicht gedrängt in den ehemaligen Klassenräumen eingesperrt. Dabei trugen sie Fußfesseln, mussten die ganze Zeit auf dem Boden liegen und durften nicht aufstehen. Wer sich dem widersetze riskierte es geschlagen zu werden.

Andere Gefangene wurden in solche provisorisch errichteten Einzelzellen gebracht.

 

Hier ist Block C zu sehen, der sich fast in demselben Zustand befindet, wie man ihn 1979 aufgefunden hatte. 

Der Stacheldraht wurde auch in den oberen Etagen angebracht, nachdem sich ein Gefangener durch einen Sprung selbst umgebracht hat. 

Das die Menschen zu solchen Maßnahmen verleitet wurden, da sie die Gewalttaten nicht mehr aushielten, war nicht unüblich. Manche wurden bis zu drei Mal täglich grausam gefoltert. In diesen Situationen durften man keinen Laut von sich geben.

Aktuell befinden sich in den Räumen von Block B und C an Tafeln aufgegangen viele Fotos der später ermordeten Menschen. Bei ihrer Inhaftierung wurden sie fotografiert und gemeinsam mit Namen und Größe in Listen eingetragen.
Aber auch Fotos von „mißglückten“ Folterungen, bei denen die Häftlinge starben, werden gezeigt. Dies war nie gewollt und führte nicht selten ebenfalls zur Inhaftierung der Folterer.

An diesen Tafeln vorbei zu gehen und sich die einzelnen Gesichter, die in die Kamera blicken, anzusehen, empfang ich mit am eindringlichsten.

 

Die Killing Fields südlich von Phnom Phenh. 

Hierhin wurden die Menschen nachts gebracht. Man erschlug sie, warf sie in die Gruben und schnitt ihnen die Kehlen durch. 

Um hierfür keine teuren Kugeln zu verschwenden verwendete man hierfür einfache Werkzeuge wie Stöcke oder Äxte.

 

Der Ort ist ein einer von vielen Massengräbern, in denen tausende Menschen ihr Ende fanden. Bei jedem Regenguss werden immer noch Knochen und Zähne an die Oberfläche gespült.

Oberflächlich scheint es ein friedlicher Ort zu sein, aber bereits am Eingang erinnert eine ca. 10 Meter hohe Gedächtnisstupa, die gefüllt ist mit Schädeln der dort gefundenen Personen, an die Vergangenheit.

 

Dies ist ein Ort auf den Killing Fields, der sicherlich am meisten Bestürzung auslöst. Gegen diesen Baum schlug man Kleinkinder und Babys, bis diese starben. 

Wenn ein Familienmitglied inhaftiert und getötet wurde, brachte man oft auch den Rest um, da man Angst vor Rache der Hinterbliebenen hatte. Außerdem galt es „die Saat im Keim zu ersticken“.

 

 

Wieso habe ich dies mir angesehen?

Diese Frage habe ich mich in den letzten Tagen immer wieder selbst gestellt.

Gerade wir Deutsche sollten wissen, wozu Menschen fähig sind. Und dennoch ist hier vieles unfassbar. 

Dinge werden einem oftmals durch reine Erzählungen nicht bewusst genug. Wenn man selbst aber solche Orte besucht, sich informiert und direkt damit konfrontiert wird, wird einem umso mehr verdeutlicht, wie schlimm diese wirklich sind und dass sie sich nicht wiederholen dürfen.

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